Latente Steuern nach dem Rechnungslegungsänderungs-gesetz

14.09.2017

Die Bestimmungen des Rechnungslegungsänderungsgesetzes 2014 bringen für Jahresabschlüsse, deren Geschäftsjahr nach dem 31.12 2015 beginnen, in Bezug auf die Berechnung und den Ausweis latenter Steuern, umfangreiche Änderungen mit sich.

Viele Einzelfragen kommen bei der erstmaligen Ermittlung auf den Bilanzierer zu, dem in dem Praxishandbuch „Latente Steuern im Einzel- und Konzernabschluss“ von Grohmann/Wundsam (erhältlich im Manz Verlag) ein taugliches Hilfsmittel zum Verständnis und der Umsetzung in die Hand gegeben wird.

 

Latente Steuern entstehen immer dann, wenn die unternehmensrechtliche Bewertung im Jahresabschluss von den steuerlichen Ansätzen abweicht. So zum Beispiel bei steuerlich nicht abzugsfähigen Rückstellungen oder unterschiedlichen Nutzungsdauern in Unternehmens- und Steuerrecht.

Durch die Umstellung des timing concepts auf das temporary concept werden Unterschiedsbeträge zwischen steuerrechtlichem und unternehmensrechtlichem Ansatz nicht nur hinsichtlich erfolgswirksamer Vorgänge, sondern auch hinsichtlich jener Differenzen berücksichtigt, welche auf unterschiedliche Wertansätze von Vermögenswerten zurückzuführen sind. Damit setzt die Neuregelung einerseits die Richtlinie 2013/34/EU des europäischen Parlamentes und des Rates vom 26. Juni 2013 über den Jahresabschluss um, sondern folgt andererseits aber auch den bereits in Deutschland geltenden und in den IFRS verankerten Rechnungslegungsbestimmungen.

Die Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen, welche nach diesen drei Regelungssystemen erstellt wurden, wird folglich deutlich erhöht.

Die Ansatzpflicht aktiver latenter Steuern bei mittelgroßen und großen Gesellschaften und das Ansatzwahlrecht bei kleinen Gesellschaften stellt eine weitere wesentliche Neuerung des Rechnungslegungsänderungsgesetzes 2014 dar. Damit folgt Österreich weitgehend den auch in den IFRS bereits verankerten Regelungen hinsichtlich der Bestimmungen zur Aktivierungspflicht.

Auch beim Ansatz aktiver latenter Steuern im Zusammenhang mit bestehenden Verlustvorträgen folgt Österreich mit den nunmehrigen Regelungen den Vorschriften der IFRS. Einerseits wird dadurch der grundsätzliche Ausweis aktiver latenter Steuern, welche auf Verlustvorträge zurückzuführen sind, ermöglicht. Ähnlich den in den IFRS festgeschriebenen Vorschriften zur Begrenzung des Aktivierungswertes hinsichtlich des Verwertungszeitraumes ist im RÄG 2014 kein bestimmter Zeitraum für die Verlustverwertung vorgesehen. In diesem Bereich unterscheidet sich die österreichische Regelung deutlich von den deutschen Vorschriften, welche zwingend einen fünfjährigen Zeitraum vorsehen.

Die Österreichischen Rechnungslegungsvorschriften haben, im Vergleich zu internationalen Rechnungslegungsvorschriften (wie etwa IFRS), mit deutlicher Verzögerung der Problematik der Berechnung und des Ausweises latenter Steuern im Jahresabschluss Rechnung getragen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das in Österreich oder in Deutschland verankerte Maßgeblichkeitsprinzip zu weitgehenden Übereinstimmungen des unternehmensrechtlichen und steuerrechtlichen Jahresabschlusses geführt hat. Zwingende Vorschriften des Unternehmens- und des Steuerrechtes haben jedoch in den letzten Jahren zu einem stetig wachsenden Unterschied zwischen unternehmensrechtlichem und steuerrechtlichem Erfolg bzw. Bewertung von Vermögenswerten geführt, sodass die Problematik der Steuerlatenz durch unterschiedliche Wertansätze zunehmend an Bedeutung gewann. Diesem Umstand hat Österreich einerseits durch die erstmalige Einführung von Regelungen in Bezug auf latente Steuern und die nunmehr im Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 verankerten Änderungen Rechnung getragen.

Es ist jedoch auch anzumerken, dass das Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 auch die Zielsetzung verfolgt, Unterschiede zwischen unternehmensrechtlichem und steuerrechtlichem Jahresabschluss zu verringern und durch Regelungen, welche an geltende steuerrechtliche Vorschriften angelehnt sind, den Unterschied zwischen der unternehmensrechtlichen und der steuerrechtlichen Bilanz zu vermindern, sodass dies auch eine Verringerung der Bedeutung latenter Steuern bedeuten kann.