Steuertipps 2014 für selbständig tätige Ärzte (1/2)

Anbei ein paar Tipps, wie noch im laufenden Jahr 2014 einige Steuervorteile genützt werden können.

Gewinnfreibetrag

(siehe auch unsere gesonderte Steuerinfo dazu): 
Durch den Gewinnfreibetrag (GFB) können natürliche Personen bis zu 13 % ihres Gewinnes, maximal EUR 45.350,00 pro Jahr einkommensteuerfrei stellen. 
Voraussetzung zur Geltendmachung des GFB ist die Erzielung betrieblicher Einkünfte (Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, selbständiger Tätigkeit oder Gewerbebetrieb) bzw. Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit von Gesellschafter-Geschäftsführern, Aufsichtsräten, Stiftungsvorständen, Vereinsfunktionären und Ärzten hinsichtlich der einkommensteuerpflichtigen Sonderklassegebühren. 
Gesellschafter von Mitunternehmerschaften (z.B. GesbR, OG, KG) können den Freibetrag bei ihrem Gewinnanteil laut Beteiligungsquote in Anspruch nehmen. Die Verwendung der Wirtschaftsgüter muss in einer Betriebsstätte im Inland oder im EU/EWR-Raum erfolgen. 
Der GFB I (Grundfreibetrag) steht jedenfalls – d.h. unabhängig von Investitionen – bis zu einem Gewinn von EUR 30.000,00 in Höhe von max. EUR 3.900,00 zu. Darüber hinaus kann man den (investitionsbedingten) GFB II geltend machen, wenn im betreffenden Jahr Investitionen in das Anlagevermögen getätigt werden. 
Ab 2013 wurde der GFB folgendermaßen eingeschränkt:

 

ab 2013für die nächstenGBF%GBF
Gewinn, GFB IIEUR   30.00013,0 %EUR   3.900
Gewinn, GFB IIEUR 145.00013,0 %EUR 18.850
Gewinn, GFB IIEUR 175.0007,0 %EUR 12.250
Gewinn, GFB IIEUR 230.0004,5 %EUR 10.350
max.EUR 580.0007,8 %EUR 45.350

ACHTUNG: Für Wirtschaftsjahre, die nach dem 30.6.2014 enden, können neben den Investitionen in Sachanlagen nur mehr Wohnbauanleihen (oder andelschuldverschreibungen von Wohnbauaktiengesellschaften) zur Deckung des GFB II herangezogen werden. Diese Wohnbauanleihen müssen ab dem Anschaffungszeitpunkt ebenfalls 4 Jahre als Anlagevermögen gewidmet werden. 
Vorsicht ist beim Kauf von „alten“ Wohnbauanleihen dahingehend geboten, dass diese ab dem Anschaffungszeitpunkt noch mindestens eine Restlaufzeit von vier Jahren aufweisen. 
TIPP: Vor Ende des Jahres sollte ein Zwischenergebnis bzw. eine Vorschau auf den zu erwartenden Gewinn erstellt und die Summe der bisherigen Investitionen ermittelt werden, um bei Bedarf noch entsprechende Investitionen (z. B. in Wohnbauanleihen) tätigen zu können.
TIPP: Auch für selbständige Nebeneinkünfte (z.B. aus einem Werk- oder freien Dienstvertrag), Bezüge eines selbständig tätigen Gesellschafter-Geschäftsführers oder Aufsichtsrats- und Stiftungsvorstandsvergütungen steht der GFB zu. Bei Inanspruchnahme einer Betriebsausgabenpauschalierung steht nur der Grundfreibetrag zu (GFB I). 
Voraussetzung zur Geltendmachung des Gewinnfreibetrages ist die Erzielung betrieblicher Einkünfte bzw. Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit.

Managergehälter

Gehälter die EUR 500.000,00 brutto pro Person im Wirtschaftsjahr übersteigen, sind vom Betriebsausgabenabzug ausgeschlossen. Diese Bestimmung ist aber nicht nur auf Managergehälter anzuwenden, sondern betrifft alle echten Dienstnehmer und vergleichbar organisatorisch eingegliederte Personen (inklusive überlassene Personen), unabhängig davon, ob sie aktiv tätig sind oder in der Vergangenheit Arbeits- oder Werkleistungen erbracht haben. 
Da diese Bestimmung erst mit 1.3.2014 in Kraft getreten ist, sind nur die nach diesem Stichtag anfallenden Aufwendungen betroffen. Die Betragsgrenze ist somit für das Kalenderjahr 2014 zu aliquotieren und beträgt daher EUR 416.667,00. Freiwillige Abfertigungen und Abfindungen, die ab dem 1.3.2014 ausbezahlt werden, sind nur mehr insoweit als Betriebsausgabe abzugsfähig, als sie beim Empfänger der begünstigten Besteuerung gem § 67 Abs 6 EStG mit 6 % unterliegen.

Spenden aus dem Betriebsvermögen

Spenden aus dem Betriebsvermögen an bestimmte im Gesetz genannte begünstigte Institutionen sind bis maximal 10 % des Gewinns des laufenden Wirtschaftsjahres steuerlich absetzbar. Als Obergrenze gilt der Gewinn vor Berücksichtigung des Gewinnfreibetrags. Damit derartige Spenden noch im Jahr 2014 abgesetzt werden können, müssen sie bis spätestens 31.12.2014 geleistet werden (Details siehe Steuertipps für alle Steuerpflichtigen). 
Zusätzlich zu diesen Spenden sind als Betriebsausgaben auch Geld- und Sachspenden im Zusammenhang mit der Hilfestellung bei (nationalen und internationalen) Katastrophen (insbesondere bei Hochwasser-, Erdrutsch-, Vermurungs- und Lawinenschäden) absetzbar, und zwar betragsmäßig unbegrenzt! Voraussetzung ist, dass sie als Werbung entsprechend vermarktet werden (z. B. durch Erwähnung auf der Homepage oder in Werbeprospekten des Unternehmens). 
TIPP: Steuerlich absetzbar sind auch Sponsorbeiträge an diverse gemeinnützige, kulturelle, sportliche und ähnliche Institutionen (Oper, Museen, Sportvereine etc), wenn damit eine angemesse¬ne Gegenleistung in Form von Werbeleistungen verbunden ist. Bei derartigen Zahlungen handelt es sich dann nämlich nicht um Spenden, sondern um echten Werbeaufwand.

Forschung

Seit 2011 gibt es nur noch die Forschungsprämie (10 %) und keine Forschungsfreibeträge mehr. Weiterhin erforderlich ist der geforderte Inlandsbezug der Forschung: nur Forschung im Inland bzw. der Auftrag von einem/einer inländischen Betrieb/Betriebstätte ist begünstigt. Die Prämie bei Auftragsforschung kann ab 2012 für max. EUR 1.000.000,00 Bemessungsgrundlage geltend gemacht werden. 
TIPP: Für den Prämienantrag 2014 muss bei Eigenforschung ein sogenanntes Jahresgutachten der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) eingeholt werden. Dieses kann über Finanz Online bei der FFG beantragt werden und auch mehrere Projekte umfassen. Um größere Sicherheit über die steuerliche Anerkennung von Forschungsaufwendungen zu erlangen, besteht ab 2013 die Möglichkeit, im Vornhinein eine bescheidmäßige Bestätigung über die begünstigte Forschung für ein bestimmtes Forschungs¬projekt beim Finanzamt zu beantragen. Dafür ist es notwendig, von der FGG ein sogenanntes Projektgutachten einzuholen.

Bildungsfreibetrag (BFB) oder Bildungsprämie

Zusätzlich zu den für die Mitarbeiter aufgewendeten externen Aus- und Fortbildungskosten können Unternehmer einen Bildungsfreibetrag in Höhe von 20 % dieser Kosten geltend machen. Aufwendungen für innerbetriebliche Aus- und Fortbildungseinrichtungen können nur bis zu einem Höchstbetrag von EUR 2.000,00 pro Tag für den 20 %igen BFB berücksichtigt werden. 
TIPP: Alternativ zum BFB für externe Aus- und Fortbildungskosten kann eine 6 %ige Bildungsprämie geltend gemacht werden. Aber Achtung bei internen Aus- und Fortbildungskosten: Hier steht keine Prämie zu!

Aufbewahrungsfrist

TIPP: Es ist empfehlenswert, für die Ausnahmen von der 7-jährigen Aufbewahrungsfrist, d. h. für Unterlagen, die Grundstücke, anhängige Abgabenverfahren/gerichtliche Verfahren betreffen, Übersichtsblätter bzw. Vermerke in den Akten zu erstellen. 
ACHTUNG: Für Grundstücke, die ab dem 1.4.2012 erstmals unternehmerisch genutzt werden, gilt im Falle einer Änderung der Verhältnisse, die für den ursprünglichen Vorsteuerabzug maßgeblich waren, ein Berichtigungszeitraum für die Vorsteuer von 20 Jahren. Die Aufbewahrungsfrist für Unterlagen derartiger Grundstücke wurde daher auf 22 Jahre verlängert.

Neue Selbständige – Vermeidung eines Beitragszuschlags bei der GSVG

Die Pflichtversicherung beim neuen Selbständigen tritt nur ein, wenn die Einkünfte die Versicherungsgrenze (EUR 6.453,36 bei ausschließlicher Tätigkeit als neuer Selbständiger, ansonsten EUR 4.743,72 – Werte für 2014) überschreiten. Werden die Grenzen überschritten, muss dies der SVA gemeldet werden. 
Wenn spätestens bei Einreichung der Steuererklärung das Überschreiten der Grenze bekannt gegeben wurde (mittels Versicherungserklärung), konnte der Beitragszuschlag von 9,3 % bisher vermieden werden. Seit 2012 kann dieser Strafzuschlag nur mehr mittels Abgabe einer Überschreitungserklärung bis spätestens zum Ablauf des laufenden Jahres (31.12.2014) vermieden werden.

GSVG-Befreiung für Kleinstunternehmer

Wird der Antrag fristgerecht bei der SVA gestellt (für 2014 bis spätestens 31.12.2014), gilt die Befreiung das ganze Unternehmerleben lang. Ein Verzicht auf die Befreiung ist möglich. 
Seit 1.7.2013 kann die Befreiung auch während des Bezuges von Kinderbetreuungsgeld oder bei Bestehen einer Teilversicherung während der Kindererziehung beantragt werden, wenn die monatlichen Einkünfte maximal EUR 395,31 und der monatliche Umsatz maximal EUR 2.500,00 betragen (Werte 2014).